Wegeempfehlungen:

 

(1) EAE 1985/1995: Empfehlungen für die Anlage von Erschließungsstraßen. Forschungsgesellschaft für Straßen- und Verkehrswesen FGSV (Hrsg.), Köln, 1995, 5.2.1.10, Anmerkung 26

 

(2) Apel, D, E. Brandt: Stadtverkehrsplanung, Teil 2. Stadtstraßen, Umweltanforderungen und Straßengestaltung. Deutsches Institut fpür Urbanistik (Hrsg.), Berlin, 1982

 

Gefahrenstellen:

 

(3) Peter Müller, Andrea Ratschow, Johannes Lagemann: Schulwegpläne zur Schulwegsicherung, Institut Wohnen und Umwelt IWU, Darmstadt 1989

 

Nähere Information zur Quelle (3) finden Sie in der Literatur-Liste.

Die Erläuterungen zu den besonderen Gefahrenstellen bzw. schwierigen Verkehrssituationen sind mindestens ebenso wesentlich, wie die Kenntlichmachung der empfohlenen Wege. Auf dem Schulwegplan müssen die Gefahrenstellen noch einmal neu durchnummeriert werden, da vom Schulweg-Grundplan nur ein geringer Teil übernommen wird. Die Beantwortung folgender drei Fragen sollte angestrebt werden:

  • Warum sind sie gefährlich?
  • Wie können sie entschärft werden?
  • Wie kann man sie mit Kindern einüben? (1)

 

Schulwegplan für eine Berliner Grundschule, Darstellung eindeutiger Gefahrenaussagen
Eindeutige Gefahrenaussagen erforderlich
Zur Gefahrenstelle 1 steht in einem Schulwegplan für eine Berliner Grundschule: „Die Kinder müssen beim Überqueren der Germanenstraße selbst auf ihre Sicherheit achten, da Verkehrshelfer nicht immer in ausreichender Anzahl vorhanden sind.“ Besser wäre es anzugeben, worin die Gefahr besteht und darüber nachzudenken, ob die Situation zu verbessern ist.

Vermieden werden sollten allgemeine Aussagen wie z.B. „Erhöhte Aufmerksamkeit ist beim Überqueren der Straße geboten“ oder „Vorsicht beim Überqueren der Straße“.

 

Eine hervorgehobene Aussage könnte z.B. sein:
„Achten Sie auf dem Weg zur Schule beim Queren der ...-Straße insbesondere auf die oft schnell von links/hinten einfahrenden Rechtsabbieger aus der ...straße!“

 

Darunter gesetzt, evtl. in kleinerer Schriftgröße:
„Die Schule bemüht sich darum, dass der Vorlauf der Grünschaltung für Fußgänger auf der Furt gegenüber dem starken Abbiegeverkehr verlängert wird.“

 

Selbstverständlich sollten auch die Ursachen benannt werden oder die bereits von den Beteiligten angesprochenen Verbesserungsmöglichkeiten. Solche Anmerkungen zeigen, dass an der Verbesserung der Verkehrssicherheit gearbeitet wird und noch zu arbeiten ist. In diesem Sinne sollten ggf. alle Eltern zur zukünftigen Mitarbeit im entsprechenden Gremium aufgerufen werden. Eine Kontaktperson der Schule oder der Elternschaft ist zu nennen.

 

Quellenangaben

Zu den Angaben und Zitaten auf dieser Seite finden Sie hier die Quellenangaben.

Wir stellen Ihnen die Bilder zusätzlich als PDF-Datei in Druckqualität zum Ansehen oder Downloaden zur Verfügung. 

Nicht gelungenener Schulwegplan Gelungener Plan, allerdings mit ungeschickter Farbwahl
Nicht gelungenener Schulwegplan Guter Schulwegplan, allerdings mit ungeschickter Farbwahl
Mit Skizzen wie in der abgebildeten Form für den Einzugsbereich einer Schule in Schwerte anzufangen, verursacht letztlich Doppelarbeit. Verwirrend auch die Farbwahl, grün ist gefährlich, bei rot gibt es Probleme. Mit Hinweisen wie „Hier gibt es Probleme“ oder gar „ein Witz“ kann niemand so recht etwas anfangen. Bild oben als PDF-Datei downloaden. Auf der Grundlage einer guten Kartenvorlage selbst angefertigte Handskizzen, wie hier von einem Einzugsbereich einer Grundschule in Köln (etwa im Jahre 1975), sind durchaus ausreichend. Nur die Farbwahl war ungeschickt, grün wäre überzeugender und dann könnte man die gefährlichen Stellen mit einem roten Buntstift hervorheben. 

 

Beispielhaft guter Schulweggrundplan    
gut dargestellter Schulweggrundplan    
Derselbe Schulwegbereich in Köln, ca. 25 Jahre später dargestellt. Ein beispielhaft guter Schulweggrundplan mit einer einfachen Signatur und Darstellung. Bild oben als PDF-Datei downloaden.    

Im Übergang von der Analyse zu den Empfehlungen kommt es ganz entscheidend auf die Zusammenarbeit mit den beteiligten Behörden an (Polizei, Straßenverkehrs-, Straßenbau- und Planungsämter). Diskutiert werden muss, für wie schwerwiegend die genannten Gefahrenpunkte aufgrund der Anzahl der Nennungen aus dem Fragebogen, der bisherigen Unfälle oder aus anderen Erwägungen eingeschätzt werden. Es empfiehlt sich, die roten Punkte an besonders gefährlichen Stellen noch einmal etwas größer nachzuzeichnen.

 

In der Regel bilden sich im „Spinnennetz“ aller zur Schule führenden Wege nur wenige Punkte heraus, wo es um die Frage geht, ob andere Wegeverläufe empfohlen werden sollen als die von Eltern und Kindern genannten. In diese Betrachtungen sollten folgende vier Grundsätze einfließen:

 

1. Möglichst kurze und direkte Schulwege

Grundsätzlich ist bei offensichtlichen Umwegen zu prüfen, ob sie durch vertretbare Maßnahmen reduziert werden können. In den Straßenbauempfehlungen wird zur Umwegeempfindlichkeit des Fußverkehrs angemerkt: „Auch bei verkehrsreichen Straßen werden Umwege von mehr als 50 m kaum angenommen“.(1) Diese Distanz dürfte auch die Schwelle sein, ab der auch sichere Umwege häufiger nicht mehr benutzt werden.

 

2. Möglichst seltenes Überschreiten der Fahrbahnen

Hierbei spielt es häufig eine Rolle, welche Straßenseite günstigenfalls zu benutzen ist. Es ist aber auch darauf zu achten, dass die Kreuzungen so gestaltet sind, dass die Kinder sich nicht längere Strecken als nötig auf der Fahrbahn bewegen.

 

3. Möglichst sichere Querungsanlagen

Umfassende Unfalluntersuchungen ergaben, dass die Behauptung nicht zutreffend ist, dass durch Ampeln die Sicherheit am besten zu erhöhen ist, während Zebrastreifen die Unfälle gar noch erhöhen würden. Eindeutig nachweisbar war dagegen, dass die Anzahl der Überquerungshilfen wesentlicher ist als ihre Art. Für erforderlich gehalten werden Abstände von höchstens 100 bis 150 Metern.(2) Bei allen Querungsanlagen gilt allerdings auch, dass sie mit Bedacht ausgewählt, angelegt bzw. geschaltet werden müssen. Deshalb ist z.B. die Forderung nach einer „Lichtsignalanlage“ vor einer Schule nicht ausreichend, es müssen genauere Qualitätsmerkmale festgelegt werden. Weitere Angaben dazu finden Sie unter Maßnahmen.

 

4. Verkehrsregelungen für den Autoverkehr beachten

Bei der Festlegung empfohlener Schulwege sollten die Verkehrsregelungen für den Autoverkehr beachtet werden. Insbesondere Straßen ohne Kraftfahrzeugverkehr und/oder Spielstraßen (Zeichen 250, StVO, mit Zusatzschild) bzw. Fußgängerbereiche (Zeichen 242/243) sind natürlich sehr attraktiv. Verkehrsberuhigte Gebiete (Zeichen 325/326) und auch Tempo-30-Straßen oder -Zonen (Zeichen 274, bzw. 274.1 und 274.2) bieten den Schülern sichere Schulwege, wenn diese Regelungen auch durchgesetzt werden. Beim Abwägungsprozess steht allerdings der kurze Schulweg in der Priorität und dieser Weg sollte ggf. mit geschwindigkeitsreduzierenden Maßnahmen sicherer gemacht werden.

 

5. Einbindung attraktiver Orte oder Wegeabschnitte

Sie sind häufig zugleich „Spielwege“. Für Spielplätze, Läden oder auch einen kurzen Parkweg werden zuweilen gerne Umwege in Kauf genommen. Wenn die Kinder ohne Begleitung gehen, werden sie sich irgendwann von derartigen Attraktivitäten verleiten lassen und nicht mehr den streng nach Verkehrssicherheits-Gesichtspunkten ausgesuchten und eingeübten Schulweg benutzen. Deshalb ist es sinnvoll, derartige Wünsche in die Überlegungen einzubinden.

 

Bei der Betrachtung von zu empfehlenden Wegen können evtl. auch weitere vor Ort zur Verfügung stehende Karten berücksichtigt werden. Minunter tangieren Wege, die die Gemeinde z.B. aus touristischen Gesichtspunkten vorschlägt (Stadterkundungs-, Wanderwege, etc.) Schulwege oder es ist sinnvoll, sie ein Stück lang zusammenzuführen. Mitunter gibt es auch Fußgänger- oder gar Kinderstadtpläne von einem Amt bzw. Verlag.

 

Für die Darstellung der empfohlenen Schulwege gelten die gleichen Kriterien, wie sie bereits beim Schulweg-Grundplan umgesetzt wurden. Die Legende darf nur noch die Hinweise enthalten, die für die Eltern und Kinder notwendig sind und die verwendeten Symbole müssen dann auch in der Karte eindeutig erkennbar sein.

 

Quellenangaben

Zu den Angaben und Zitaten auf dieser Seite finden Sie hier die Quellenangaben.

Die wesentlichsten Grundlagen für die Erstellung des Schulwegplanes sind im Schulweggrundplan eingetragen. Jetzt muss diskutiert und entschieden werden:

 

1. Welche Wege aus der Schulweg-Grundkarte sollen nun als eine Wegeempfehlung mit

2. welchen Erläuterungen zu den Gefahrenstellen in den Schulwegplan übernommen werden?

 

Dabei steht eine dritte Fragestellung stets gleichzeitig zur Diskussion: Welche Maßnahmen würden die empfohlenen oder andere attraktivere Wege sicherer und angenehmer machen?

 

Ideal wäre es, wenn die Schule ihre Schulwegpläne verteilen könnte, nachdem wenigstens die wichtigsten Maßnahmen zur Verbesserung der Verkehrssicherheit durchgeführt worden sind. Das ist natürlich eine Illusion, denn jede noch so kleine bauliche oder verkehrstechnische Veränderung benötigt ihre Zeit. Deshalb sind in fast allen Schulwegplänen noch nicht ausgeräumte Gefahren darzustellen.

 

Damit Sie eine bessere Vorstellung davon bekommen, wie Schulwegpläne aussehen können, zeigen wir Ihnen drei Beispiele für gelungene und weniger gelungene Pläne.

 

Die fertigen Schulwegpläne müssen daher an die Eltern verteilt werden, mit der Bitte,

 

  • die angegebenen Wege mit den Kindern zu üben und
  • daran mitzuwirken, dass die genannten Gefahrenstellen möglichst bald entschärft werden.

 

Das Schulwegplan-Verfahren ist damit keineswegs beendet, sondern tritt jetzt möglicherweise in eine sehr aktive Phase ein, wenn es darum geht, die Schulwege an einigen ganz konkreten Stellen verkehrssicherer und angenehmer zu machen. Wir bieten Ihnen deshalb Hintergrundinformationen und Tipps für die Umsetzung von Verbesserungs-Maßnahmen für Schulwege an.